SWR: Rente - wie bereite ich mich auf das neue Leben vor?


11.10.2018 | Interview des SWR mit Prof. Dr. Kricheldorff vom 18.09.2018

Viele warten sehnsüchtig auf den Tag, an dem sie in den Ruhestand gehen, oft gefolgt von einer großen Ernüchterung: Wie die Zeit sinnvoll nutzen? Prof. Dr. Kricheldorff kann gute Tipps geben, wie der Übergang gelingen kann.

Das Interview:
www.ardmediathek.de/tv/Kaffee-oder-Tee/Rente-wie-bereite-ich-mich-auf-das-neu/SWR-Fernsehen
18.09.2018 | 7 Min. | Verfügbar bis 18.09.2019 | Quelle: SWR

Tipps, wie der Übergang vom Arbeitsleben zum Rentnerleben gut gelingen kann. 
Beispiel: Ein Mann entschließt sich nach einem langen Arbeitsleben neu zu studieren.   
Dieser Ansatz generiert neue Kontakte zu anderen Generationen, neues Wissen, Lust etwas mit anderen Generationen zu tun. Er realisierte ein Projekt mit Kindern, was ihm in seiner freien Zeit in der nachberuflichen Phase viel Sinn und Freude bereitet hat.

Gute Strategie: 
Neues anfangen oder an bewehrtem ansetzen, wenn Interessen, Aufgaben, Hobbies oder Neigungen da sind, die in der nachberuflichen Phase tragfähig sind. Wichtig ist, für sich zu klären, was einem wichtig ist.

Den Ruhestand in den Fokus nehmen, schon Jahre vorher?
In der Mitte des Lebens entsteht die Vorstellung nach viel Freizeit und keine berufliche Einengung mehr. Diese verändert sich, wenn die Zeit des Lebens näher rückt. Viele fallen dann in ein tiefes Loch. Es ist Sinnvoll, sich ein Repertoire an möglichen Lösungen und Plänen zu erarbeiten. Diejenigen, die sich damit beschäftigt haben, kommen leichter mit der Situation zurecht.

Wann beginnen?
Altern ist ein sehr langer Prozess. Schon in sehr jungen Jahren aber spätestens mit dem 5. Lebensjahrzehnts sollte man sich fragen, was kommt nach der langen Zeit, nach Beruf und Familie. Dieser kann  länger sein, als Kindheit und Jugend zusammengenommen. Viel freie gestaltbare Zeit, die man nicht aussitzen kann, sondern sinnvoll gestaltet werden sollte. 
Wir sprechen von einer 20 bis 30 jährigen, oder längeren Lebensphase mit Pioniercharakter, weil es noch nie eine Generation gab, die so gesund und einigermaßen materiell gut abgesichert in die nachberufliche Phase übergeht.
 
Was fehlt Menschen im Ruhestand am meisten?
Etwas finden, dass einem selber Anerkennung bringt, etwas das Sinn bringt, etwas sinnvolles zu tun; das fehlt ganz vielen. Mit dem Ende des Berufslebens gehen auch soziale Kontakte verloren, vor allen bei stark berufsorientierten Menschen die wenig anderes aufgebaut haben. In der Vorbereitungsphase sollte man realisieren, dass es noch andere Punkte im Leben braucht, die neben dem Beruf Spaß und Freude bringen und von Interesse sind, weil der Beruf dann weg ist. Das kann Hobby, Ehrenamt oder Engagement im Verein sein.

Wie schafft man den Übergang?
Ein gelingender Übergang erfolgt nicht abrupt, sondern gleitend. Altersteilzeit oder über das Rentenalter hinaus die ein oder andere Tätigkeit aufzunehmen, die als sinnstiftend erlebt wird, sich einzubringen, zu engagieren, Gesellschaft mitzugestalten, wird von vielen Menschen sinnstiftend erlebt und erleichtert den Übergang erheblich.

Kann man zu viel planen?
Menschen verzetteln sich, wenn sie alles mitnehmen wollen was in der Freizeit geht. Es sollte Überforderung, Verzetteln und Stress vermeiden.
 
Was kann Ehepaaren geraten werden?
Wichtig ist, dass beide Partner ein eigenes Leben haben, mit eigenen Interessen. Erkennbar ist eine signifikant steigende Zahl an Scheidungen bei Langzeitehen. Das macht nachdenklich. Das zeigt eine erhebliche Veränderung in den letzten Jahren. Man sollte im Auge behalten, für sich selber Pläne zu machen, auch eigene Interessen zu verfolgen und den Überblick behalten. 

Es ist wichtig diesen großen Zeitraum zu sehen und davor Respekt zu haben, ihm eine Struktur zu geben.
Alter ist Chance und Risiko gleichermaßen. 

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Prorektorin Forschung / Institutsleitung IAF
Prof. Dr. phil. Cornelia Kricheldorff

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